LaG-Magazin im Februar 2017: Mittel- und Osteuropäische Erinnerungskulturen - im Spannungsfeld von Aufarbeitung des Stalinismus und Positionierungen zu den nationalsozialistischen Verbrechen

LaG-Magazin im Februar 2017: Mittel- und Osteuropäische Erinnerungskulturen - im Spannungsfeld von Aufarbeitung des Stalinismus und Positionierungen zu den nationalsozialistischen Verbrechen

Die März-Ausgabe unseres Online-Magazins thematisiert Geschichtskulturen ausgewählter Länder in Mittel- und Osteuropa. Wesentlich geprägt sind für diese Staaten durch zweierlei Erinnerungen: Die an den stalinistisch fundierten „real existierenden Sozialismus“ und die Erinnerung an die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg. In vielen Staaten des östlichen Europas hat sich infolge der demokratischen Umbrüche 1989/90 ein neues Geschichtsnarrativ entwickelt, dass die eigene Nation zum Opfer zweier „totalitärer Regime“ konstruiert. Im Zuge dieser totalitarismustheoretischen Deutungen werden Verstrickungen der eigenen Bevölkerung sowohl in die stalinistische Herrschaft als auch in die nationalsozialistischen Verbrechen teilweise ignoriert oder gerechtfertigt. Das ist im Fall von Litauen besonders augenfällig, wo erst eine neue Generation von Historiker_innen sich mit den „blinden Flecken“ der eigenen Geschichte befasst. In der westlichen Ukraine greift demgegenüber eine Verherrlichung von Stepan Bandera um sich, die ihren Ausdruck in neuen Denkmälern für ihn findet, während vor allem in den östlichen Landesteilen noch immer das Narrativ vom „Großen Vaterländischen Krieg“ dominiert.