Projektbeginn: "Beendete Migrationen: Abschiebehaft in der Keibelstraße von 1980 bis 1996"
Henrike Voigtländer
Das Projekt „Beendete Migration – Abschiebehaft in der Keibelstraße von 1980 bis 1996“
Das Projekt „Beendete Migrationen – Abschiebehaft in der Keibelstraße von 1980 bis 1996“ widmet sich einem bislang wenig erforschten Kapitel der jüngsten Geschichte: den erzwungenen Enden von Migration in der DDR und den 1990er Jahren im vereinten Deutschland. Im Fokus steht die Geschichte der Abschiebehaft am Lernort Keibelstraße und die Lebensrealitäten der betroffenen Migrant*innen in den 1980er- und 1990er Jahren.
In Kooperation mit dem Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam und Studierenden des Masterstudiengangs Public History an der Freien Universität Berlin werden historische Quellen recherchiert, Interviews geführt und ein innovatives Bildungsangebot für Schulklassen entwickelt. Ziel ist ein modularer Workshop für Jugendliche, der historische Quellenarbeit, Zeitzeug*innenperspektiven und multimediale Materialien miteinander verbindet und aktuelle Debatten um Migration, Bleiberechte und Abschiebungen historisch einordnet.
Das Projekt greift die Geschichte der Untersuchungshaftanstalt in der Keibelstraße auf und beleuchtet sowohl die Abschiebepraktiken in der späten DDR als auch die Nutzung des Gebäudes als Abschiebegefängnis in den frühen 1990er Jahren der Bundesrepublik. Dabei werden Themen wie Vertragsarbeit in der DDR, Bleiberechtskämpfe nach 1990 und gesellschaftliche Rahmenbedingungen der Transformationszeit untersucht.
Ein zentraler Bestandteil ist die kollaborative Arbeit mit Studierenden, die das Lernmodul entwickeln, erproben und evaluieren. Die Ergebnisse werden auf einem Fachtag präsentiert und mit Expert*innen aus Wissenschaft, Bildungspraxis und Zivilgesellschaft diskutiert. Anschließend wird das Workshopformat dauerhaft in das Bildungsportfolio des Lernorts Keibelstraße integriert und durch ein Modulhandbuch für Teamer*innen ergänzt.
Mit dem Projekt möchte der Lernort Keibelstraße neue Perspektiven auf Migrationsgeschichte eröffnen, historische Bildung in einer Migrationsgesellschaft stärken und zur reflektierten Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Debatten beitragen.
Projektkoordination: Christina Schwarz, schwarz[at]agentur-bildung.de
Projektleitung: Dr. Henrike Voigtländer, voigtlaender[at]agentur-bildung.de
Projektbegleitung: Dr. Irmgard Zündorf, zuendorf[at]zzf-potsdam.de
In Kooperation mit

Gefördert durch


Dr. Henrike Voigtländer
Henrike Voigtländer
ist Historikerin und Leiterin des Lernorts Keibelstraße. Ihre Dissertation zu Geschlechterverhältnissen in der DDR-Industrie hat sie am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam und Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung verfasst. 2018 bis 2019 war sie Teil des Aufbauteams des Lernorts Keibelstraße der Agentur für Bildung; bei Facts & Files – Historisches Forschungsinstitut Berlin hat sie an mehreren Studien für die DDR-Aufarbeitungslandschaft gearbeitet. Seit Juli 2024 hat sie die Leitung des Lernorts Keibelstraße inne.
Mail: voigtlaender@agentur-bildung.de
Tel.: 030 – 28 09 80 12
Publikationen (Auswahl):
- Sexismus im Betrieb. Geschlecht und Herrschaft in der DDR-Industrie, Berlin 2023.
- „Sexismus unter gleichberechtigten Werktätigen – Geschlecht und Herrschaft in Industriebetrieben der DDR“, in: Deutschland Archiv, 5. Oktober 2023, www.bpb.de/541325
- Weibliche Neonazis in der DDR. Zur Rolle von Geschlecht in Verfolgungslogiken des MfS, in: Lernen aus der Geschichte, 23. Dezember 2020, URL: http://lernen-aus-der-geschichte.de/Lernen-und-Lehren/content/14968
- Mit Kerstin Brückweh, Clemens Villinger und Kathrin Zöller: Die Alltäglichkeit von Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus in der langen Geschichte der „Wende“. Eine Erweiterung des Schriftgesprächs, in: dies. (Hrsg.): Die lange Geschichte der »Wende«. Geschichtswissenschaft im Dialog, Berlin 2020, S. 227-250.
Foto: Andy Küchenmeister


