Wanderausstellung „Gemeinsam sind wir unerträglich. Die unabhängige Frauenbewegung in der DDR“

„Gemeinsam sind wir unerträglich“ – so lautet der Spruch auf einer Postkarte der Lesben in der Kirche, einer Gruppe, die sich 1982 in Ost-Berlin gründete. Dieser Slogan verweist auf zwei entscheidende Momente frauenbewegter Geschichte in der DDR: Frauen kommen zusammen und agieren längerfristig als Gruppe. Und sie benennen unbequeme Themen, die in der Gesellschaft, in ihren Organisationen und in den Familien verschwiegen werden – kurz: etwas Unerträgliches. Ob sexualisierte Gewalt an Frauen und Mädchen oder Abtreibung, ob Zärtlichkeit zwischen Frauen oder alternative Lebensformen, ob Kriegsspielzeug in Kindergärten, die Abwertung weiblich definierter Menschen in Schulbüchern oder die Gefahr atomarer Verstrahlung – über diese und andere Themen diskutieren Frauen untereinander im letzten Jahrzehnt der DDR. Sie erarbeiten gemeinsame Positionen dazu und vertreten sie nach außen. Es ist eine kleine Minderheit von Frauen in der DDR, die ihrem arbeitsreichen Alltag einschließlich der zweiten Schicht nach Feierabend noch eine politische Untergrundtätigkeit hinzufügt. Eine solche Entscheidung bringt in einer Diktatur zwangsläufig Repressalien mit sich. Die Frauen lassen sich davon nicht abhalten, aber schon allein mit Blick auf ihre verfügbaren Zeitressourcen ist diese Entscheidung mehr als erstaunlich.

Die Ausstellung wurde ins Leben gerufen, um die frauenpolitische Leerstelle in der vorherrschenden Erzählung über die DDR-Bürgerbewegung und die Friedliche Revolution zu füllen. Sie würdigt das lange vergessene aktivistische Engagement der Akteurinnen dieser Bewegung. Begleitend erscheint ein Ausstellungskatalog, der zusätzliches Quellenmaterial bereithält. Historiker*innen führen in das Thema ein und stellen aktuelle Bezüge her, Zeitzeuginnen blicken zurück und reflektieren das Erbe dieser Bewegung für die Gegenwart.

Weitere Informationen zur Ausleihe.

Weitere Informationen finden Sie auch im Flyer zur Wanderausstellung „Gemeinsam sind wir unerträglich. Die unabhängige Frauenbewegung in der DDR.“

Die Ausstellung wurde kuratiert von Ulrike Rothe (leit.), Rebecca Hernandez Garcia und Judith Geffert.

Die Ausstellung wurde gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung und des Landesbeauftragten für Mecklenburg-Vorpommern für die Aufarbeitung der SED-Diktatur.