LaG-Magazin "Geschichte wird gemacht. Umkämpfte Orte im Spannungsfeld von Geschichtspolitik und Demokratiebildung"

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Die Magazinausgabe zum Jahresende stellt Ihnen unterschiedliche Orte deutender Vergangenheit vor, die eines gemeinsam haben – sie sind oder waren umkämpft. Ob beim Wiederaufbau preußischer Stadtschlösser, in der Erinnerung an die Opfer von NS-Verbrechen und an rechtsextreme Gewalt oder im Umgang mit dem Erbe der DDR: Immer geht es darum, welche Geschichte diese Orte erzählen und wer darüber entscheidet. Ebenso wichtig ist die Frage, wie diese Entscheidungen getroffen werden: Wie demokratisch verlaufen die Aushandlungen oder Umdeutungen?

Link zum LaG-Magazin 12/2025

Bauliche Gestaltungen, Straßennamen und Denkmäler im öffentlichen Raum spiegeln einen gesellschaftlichen Common Sense wider – etwa den, dass sich die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht wiederholen dürfen. Sie geben Orientierung und präsentieren die mentale und ethische Verfasstheit einer Gesellschaft. Wenn sich etwa eine erinnerungskulturelle Setzung allein dadurch rechtfertigt, dass wiederhergestellt wird, was früher einmal war − überzeugt diese Argumentation?

Die Reflexionen der Autor*innen dieser Ausgabe machen Entscheidungsprozesse sichtbar und regen zum Nachdenken an: Wie gelingt es, die unterschiedlichen historischen Schichten von Orten nicht zu überdecken, historische Brüche nicht auszublenden, sondern in den demokratisch gedeuteten Ort zu integrieren? Welche Leistungen müssen vollbracht werden, damit solche Orte zu Lernorten im Sinne von Demokratiebildung werden? Und welche Rolle spielt die Expertise von Historiker*innen, erinnerungskulturellen Fachleuten und historisch-politisch Bildenden, wenn Bundeswehroffiziere, Unternehmer oder neurechte Spender*innen die Initiative ergreifen?

In den folgenden Essays und Interviews werden verschiedene Arenen erinnerungskultureller Kämpfe beispielhaft vorgestellt:

Philipp Oswalt beantwortet unsere Fragen zum Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses, er rekonstruiert den Prozess und erläutert seine Kritik daran.

Judith Prokasky gewährt uns Einblick in ihre Arbeit als Kuratorin des Programms „Der Palast lebt“ im Humboldt Forum.

Achim Saupe beleuchtet den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche und zeigt, dass sowohl die Initiative als auch die städtebaulichen Diskussionen darüber bereits in den 1980er Jahren begannen.

Sabrina Pfefferle vergleicht die Bildungsangebote der Stiftung Garnisonkirche und des Lernorts Garnisonkirche in Potsdam.

Bernhard Gelderblom hat über viele Jahre und gegen Widerstände den Dokumentations- und Lernort Bückeberg aufgebaut. Dort fand ab 1933 jährlich das Erntedankfest stattfand – ein lange vergessenes NS-Massenereignis.

Johann Henningsen spricht im Interview über den Pogrom in Rostock-Lichtenhagen 1992 und wie das Gedenken daran im Rostocker Stadtraum ausgehandelt wurde.

Über die Erinnerung auf dem Tempelhofer Feld, dem ehemaligen Berliner Flughafen, schreibt Tobias Rischk. Dazu hat er mehrere Akteur*innen vor Ort befragt.

Michael Siems schildert die Bildungsarbeit der Gedenkstätte Lindenstraße Potsdam. Er skizziert die historische Vielschichtigkeit dieses Ortes und diskutiert, wie dieser Herausforderung begegnet werden kann.

Diese Ausgabe wurde von der Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte gefördert – dafür danken wir herzlich. Unser Dank gilt ebenso allen Autor*innen dieser Ausgabe. Die nächste Ausgabe des LaG-Magazins erscheint am 25. Februar 2025 und widmet sich dem historischen Lernen von Grundschulkindern über die DDR.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre und einen angenehmen Jahresausklang!

Ihre LaG-Redaktion


Die Ausstellung "Gemeinsam sind wir unerträglich. Die unabhängige Frauenbewegung in der DDR" geht im März 2026 nach Freiberg!

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(Abbildung: Ausstellungsstation in Dresden im Sommer 2025, Bildrechte: Andre Wirsig)

Nähere Informationen folgen in Kürze!

Kommende Stationen:

Freiberg, Sachsen

Chemnitz

 

Nähere Informationen finden Sie jeweils in zeitlicher Nähe zu den einzelnen Stationen hier auf dieser Website.

 

 

Pressestimmen

Beitrag auf Deutschlandfunk Kultur über unsere Ausstellung: „Gemeinsam sind wir unerträglich“: Die DDR-Frauenbewegung (gesendet 24.01.2024)

Beitrag auf Radio 1 zur Vernissage 11.01.2024 in der Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie

Weitere Informationen zur Ausstellung

Die Wanderausstellung "Gemeinsam sind wir unerträglich"

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Die Wanderausstellung "Gemeinsam sind wir unerträglich"


Stellenausschreibung für eine Projektkoordination - Frist verlängert: Bewerben bis 5.1.2026

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Die Agentur für Bildung, Geschichte und Politik e.V. sucht – vorbehaltlich der Mittelzusage – zum 1. Februar 2026 eine*n Projektkoordinator*in (w/m/d; in Anlehnung an TV-L 13, 20 Stunden/Woche) für das Projekt „Beendete Migrationen – Abschiebehaft in der Keibelstraße von 1980 bis 1996“.


LaG-Magazin "Die Wehrpflicht und ihre Verweigerung. Historische Bezüge zu einer aktuellen Debatte"

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Die allgemeine Wehrpflicht wird angesichts des russischen Angriffskriegs in der Ukraine schon länger politisch und medial diskutiert, ihre Wiederinkraftsetzung scheint vor der Tür zu stehen. Das LaG-Magazin greift die Debatte auf und bietet Einblicke in die Geschichte der Wehrpflicht in Deutschland – ein Plädoyer dieses Thema verstärkt in die Bildungsarbeit mit Jugendlichen aufzunehmen.

Link zum LaG-Mag 7/2025 

Sie sehen vor sich eine Magazinausgabe, die wie gewohnt ein historisches Thema aufgreift und es für die Bildungsarbeit aufbereitet. Dieses Mal haben wir es jedoch mit einem Thema von besonders aktueller Relevanz zu tun: Seit dem vollumfänglichen Ausbruch des Krieges in der Ukraine wird die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht politisch und medial kontrovers diskutiert. Mit dem diesjährigen Antritt der Regierung Merz, der wiederholt beschworenen „Kriegstüchtigkeit“ Deutschlands sowie der massiven Aufrüstung innerhalb der EU und der NATO stehen besonders junge Menschen hierzulande vor der konkreten Aussicht, Wehrdienst leisten und perspektivisch sogar aktiv als Soldat*in an einem zukünftigen Krieg teilnehmen zu müssen. Ein solches Szenario bedeutet für die jüngeren Generationen in Deutschland nicht nur einen temporären Eingriff in Biografien, sondern stellt auch potentiell eine schwerwiegende Einschränkung verfassungsmäßig garantierter Grundrechte dar − etwa des Rechts auf Selbstbestimmung, auf körperliche Unversehrtheit und letztlich auf das eigene Leben.

Angesichts – und trotz – der politisch vehement betonten Alternativlosigkeit eines Krieges in Europa sollte öffentlich breit diskutiert werden, wer den Preis für unsere Freiheit zahlen soll und ob ihn wieder die jüngeren Generationen entrichten müssen, deren Zukunft bereits durch die Erderwärmung mit allen vorhersehbaren und noch unbekannten Folgen ohnehin bereits massiv beeinträchtigt sein wird. Auf die Frage der Wehrgerechtigkeit folgt somit auch die Frage nach der Generationengerechtigkeit.

Das vorliegende Magazin lädt insbesondere schulische Lehrkräfte und Referent*innen der außerschulischen Bildungsarbeit dazu ein, junge Menschen über das Thema Wehrpflicht zu informieren, ihnen zentrale Fragen zu stellen und das Thema mit seinem Für und Wider gemeinsam fundiert zu erörtern. Der Blick in die historischen Zusammenhänge – etwa die Situation des Kalten Krieges in den 1970er und 1980er Jahren – hilft, gegenwärtige politische und gesellschaftliche Konstellationen einzuordnen und kritisch zu bewerten. Schüler*innen sollen befähigt werden, Angeboten der Bundeswehr informiert zu begegnen, Diskussionen auf Augenhöhe zu führen und reflektierte sowie souveräne Entscheidungen zu treffen.

Eine breitere gesellschaftliche Diskussion wird bestenfalls durch aufgeklärte Mitglieder dieser Gesellschaft geführt. Das LaG-Magazin betrachtet das Thema Wehrpflicht aus dezidiert zivilgesellschaftlicher Perspektive. Militärimmanente Argumentationsstränge stehen weniger im Mittelpunkt der Beiträge. Der Grundgedanke des „Staatsbürgers in Uniform“ und das Konzept der „Inneren Führung“, denen sich die Bundeswehr in kritischer Distanz zu den Verbrechen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg verschrieben hat, können und sollten jedoch gerade in zivilen Sphären diskutiert werden. Diese Konzepte wurden in den Nachkriegsjahrzehnten entwickelt und werden von verschiedenen Autor*innen in ihren Beiträgen aufgegriffen. Ein Grundsatz der sogenannten Inneren Führung ist, laut Website der Bundeswehr, das „Selbstverständnis der Bundeswehr als Parlamentsarmee“. Das heißt, der demokratisch gewählte Bundestag entscheidet über ihre Einsätze; politische Willensbildungen stehen über militärischen. Ein weiterer Grundsatz ist die Forderung nach dem „selbst denkenden Soldaten“, der nicht blind gehorchen, sondern verbrecherische Befehle verweigern soll. Wäre solch ein Grundsatz nicht eine Diskussion im Schulunterricht wert?

Das LaG-Magazin beleuchtet zunächst die historischen Ursprünge der allgemeinen Wehrpflicht. Im thematischen Schwerpunkt geht es um die Entwicklung der Wehrpflicht und ihrer Verweigerung im geteilten Deutschland nach 1945. Ein weiterer Fokus liegt auf geschlechterspezifischen Perspektiven.

Einführend beantwortet Ute Frevert unsere Fragen zur Entstehung der allgemeinen Wehrpflicht im 19. Jahrhundert: Der Staatsbürger in Uniform löste den bezahlten Söldner des frühneuzeitlichen Heeres ab.

Der Militärhistoriker Rüdiger Wenzke gibt einen Überblick über die Geschichte der Wehrpflicht in der DDR und geht dabei auch auf die begrenzten Möglichkeiten für Verweigerer ein.

Martin Singe zeichnet nach, wie das Recht auf Kriegsdienstverweigerung im Jahr 1949 als Menschenrecht Eingang in das bundesrepublikanische Grundgesetz fand – in der praktischen Behandlung von Verweigerern und auch durch spätere Gesetzgebungen erfuhr es dann jedoch eine Entkräftung.

Diesen Aspekt vertieft Guido Grünewald in seinem Beitrag. Er beschreibt, wie in der Bundesrepublik immer mehr Menschen den Wehrdienst verweigerten und welche sozialpolitische Bedeutung der Zivildienst gewann.

Sylka Scholz führt aus, wie militarisierte Männlichkeit seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert in Deutschland hegemonial wurde. Während dieses Ideal nach 1945 noch gesellschaftlich diskreditiert war, erlebt es durch rechte und extrem rechte Kreise derzeit eine Renaissance.

Maja Apelt beleuchtet die Integration von Frauen in die Bundeswehr: Traditionell waren Frauen im medizinischen Bereich und im Musikkorps tätig, nicht jedoch im Dienst an der Waffe.

Am Lernort Keibelstraße in Berlin wurden Interviews mit ehemaligen Totalverweigerern in der DDR geführt, die für ihre Verweigerung in Untersuchungshaft kamen. Henrike Voigtländer und Jan Haverkamp berichten über die Bildungsarbeit mit Schulklassen zu diesem Thema.

Tobias Rischk diskutiert vier ausgewählte Unterrichtsmaterialien zum Thema Wehrpflicht. Er nimmt die Perspektive der Jugendlichen ein und stellt zum Schluss zentrale Fragen. Fachlich unterstützt wurde er hierbei von Karl-Heinz Lipp.

Sabrina Pfefferle rezensiert die Graphic Novel Gegen mein Gewissen von Hannah Brinkmann. Darin verarbeitet die Autorin die Wehrdienstverweigerung ihres Onkels in der alten Bundesrepublik – und die tragischen Folgen, die die Ablehnung seines Antrags für ihn hatte.

Wir danken allen Autor*innen sehr herzlich für ihre Beiträge zu dieser Magazinausgabe sowie für fachlichen Austausch, Rat und Geduld im redaktionellen Prozess. Da das Thema von aktueller Brisanz ist, haben einige Autor*innen persönliche Stellungnahmen und Positionierungen in ihre Texte eingefügt und verlassen dort bewusst den Pfad der Historiografie − darauf möchten wir ausdrücklich hinweisen. Unser Dank gilt außerdem der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, die diese Ausgabe des LaG-Magazins fördert.

Die nächste Ausgabe des LaG-Magazins erscheint am 24. September 2025. Darin werfen wir einen kritischen Blick auf den Tag der Deutschen Einheit und bringen ergänzend neue Perspektiven auf Feiertags- und Gedenkkulturen ein.

Wir wünschen Ihnen eine erhellende Lektüre!

Ihre

LaG-Redaktion 


LaG-Magazin "Zum 8. Mai. Erinnern an das lange Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa"

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80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs greift das LaG-Magazin aktuelle Herausforderungen an die Praxis der Erinnerung auf. In ihren Beiträgen erzählen die Autor*innen Geschichten vom langen Kriegsende in verschiedenen europäischen Ländern und wie diese heute erinnert werden. Der bisher geltende Konsens vom 8. Mai 1945 als dem Tag der Befreiung steht jedoch, auch durch den erstarkenden rechten Geschichtsrevisionismus, mehr denn je in Frage.

Link zum LaG-Magazin 5/2025

Am 8. Mai 2025 schauen wir mit einem Abstand von 80 Jahren zurück auf das Ende des Zweiten Weltkrieges, das zugleich das Ende des nationalsozialistischen Deutschlands war. Mehrere Autor:innen unseres Magazins berufen sich in ihren Texten auf die Rede Richard von Weizsäckers, der 1985 den 8. Mai als „Tag der Befreiung“ deklarierte – eine staatspolitische Erklärung, die zu einem gesellschaftlich breit getragenen Konsens wurde. Die MEMO-Studie der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ), die den Stand der Erinnerungskultur in Deutschland empirisch dokumentiert, hat herausgefunden, dass viele junge Menschen heute noch an der NS-Zeit interessiert sind. Allerdings zeigten sich bei den repräsentativen Befragungen der Studie auch erhebliche Wissenslücken: Die Länder Ukraine, Belarus und Litauen etwa, deren Gebiete Hauptschauplatz des Vernichtungskriegs in Osteuropa waren, werden nur von sehr wenigen Befragten überhaupt mit dem Zweiten Weltkrieg in Verbindung gebracht. Daraus ergeben sich die Fragen, wie wir den Zweiten Weltkrieg als europäisches Ereignis betrachten können und was wir über die Vergangenheitsdeutungen in anderen europäischen Ländern wissen, kurz: Wie kann eine europäische Erinnerungskultur aussehen?

Wissenschaftler:innen nehmen aktuell das „lange Kriegsende“ in Europa in den Blick, das für Millionen Menschen in verschiedenen Ländern auch nach dem 8. Mai 1945 noch jahrelang von Gewalt, Migration und existenzbedrohenden Notlagen geprägt war. Der Historiker Martin H. Geyer nennt diese Zeit eine „Abfolge permanenter Ausnahmezustände“. Den mikrohistorischen Blick auf die Kriegs- und Nachkriegserfahrungen von Menschen werden Sie in einigen Essays dieser Magazinausgabe wiederfinden. Die Erinnerungspraxis steht heute jedoch vor Herausforderungen ungeahnten Ausmaßes: Durch aktuelle Kriege in und am Rand von Europa sowie durch den Vormarsch rechter und extrem rechter politischer Kräfte wird es zunehmend schwieriger, den erinnerungskulturellen Konsens aufrechtzuerhalten. Die Wahlerfolge der AfD bei der letzten Bundestagswahl ziehen weitere Fragen nach sich: Welche Rolle spielen eigentlich die geschichtsrevisionistischen Deutungen dieser Partei für die Wähler:innen? Bedeuten die hohen Zustimmungswerte am Ende eine Aufkündigung der kritischen Aufarbeitung und Verurteilung deutscher NS-Verbrechenskomplexe? Äußert sich hier das Bedürfnis, lieber auf die eigenen Leiden zu schauen als auf die der anderen? Oder haben erinnerungskulturelle Fragen keine stimmentscheidende Priorität und wählen Bürger:innen die AfD trotz ihrer Verharmlosung von NS-Verbrechen?

Die Beiträge dieser Magazinausgabe nehmen die oben angerissenen Fragen und Themenfelder auf. Mit lokal- und regionalhistorischen Perspektiven greifen sie zugleich die Forderung nach einer europäisch orientierten Erinnerung auf. Zur Einführung werfen wir einen Blick in die Arbeit und die aktuellen Forschungsergebnisse des Multidimensionalen Erinnerungsmonitors MEMO Deutschland. Am Heftende stellen wir Bildungsprojekte anlässlich des 8. Mai 2025 vor, die den europäischen Gedanken einlösen und mit ansprechenden digitalen Formaten arbeiten.

Maria Wilke ordnet dem 8. Mai eine besondere Bedeutung in der gegenwärtigen Erinnerungskultur zu. Der in den vergangenen Jahrzehnten erarbeitete europäische Erinnerungskonsens vom 8. Mai als dem Tag der Befreiung wird durch erstarkende geschichtsrevisionistische Deutungen als auch durch die russische Propaganda im Rahmen des Angriffskriegs gegen die Ukraine in Frage gestellt.

Jonas Rees und Leonore Martin haben unsere Fragen zu den Ergebnissen der aktuellen MEMO-Studien beantwortet. Sie berichten besonders über die MEMO-Jugendstudie von 2023, gewähren uns Einblick in die Arbeitsprozesse der Studien und weisen auf ihre gesellschaftliche Relevanz hin.

Jost Dülffer gibt uns einen Überblick über die Praxis der Erinnerung in west- und osteuropäischen Ländern. Die Tradition, an die „für das Vaterland gefallenen“ Soldaten zu erinnern, stellte in den Nachkriegsjahrzehnten europaweit keinen angemessenen Rahmen mehr dar, um der Opfer des Zweiten Weltkriegs, eines genozidalen Vernichtungskriegs, zu gedenken.

Karolina Ćwiek-Rogalska hat Interviews mit ehemaligen polnischen Zwangsumsiedler:innen und deren Angehörigen in der polnischen Kleinstadt Wałcz/Woiwodschaft Westpommern geführt. Sie gewährt uns einen Einblick in die Erfahrungen dieser Menschen, die im Frühjahr 1945 in den neuen polnischen Westgebieten ankamen.

Juliane Wetzel gibt einen Überblick über die jüdischen DP-Lager in den von den Westalliierten besetzten Zonen. Sie weist auf das lange Kriegsende hin – viele jüdische Überlebende mussten noch Jahre im „Wartesaal Deutschland“ ausharren, bis es ihnen gelang auszuwandern.

Emmanuel Droit blickt aus einer französischen Perspektive auf das Kriegsende in der deutschen Kleinstadt Demmin und den damaligen Massensuizid von Einwohner:innen im Angesicht der einmarschierenden Roten Armee. Die Erinnerung dort wird heute zunehmend von der AfD und der extremen Rechten geprägt: Den 8. Mai feiern nicht mehr alle in Demmin als Tag der Befreiung.

Sophie Ziegler stellt zwei von der Stiftung EVZ geförderte Projekte vor. Sie berichtet, wie junge Menschen heute die Geschichte des Kriegsendes aufarbeiten und erzählt hierbei von zwei Orten: der multikulturellen Region Fruška Gora in Serbien und dem Plac Grunwaldzki in der polnischen Stadt Wrocław.

Tobias Rischk weist auf eine Ausstellung, einen Podcast, ein Projekt mit virtuellen Zeitzeug:innen und ein Tanzprojekt hin, die sich auf den 8. Mai 1945 beziehen. Eine Konferenz zum langen Kriegsende in Europa nimmt die nationalen Erinnerungen im Kontext des Kalten Krieges in den Blick und schaut besonders nach Osteuropa.

Diese Ausgabe des Magazins „Lernen aus der Geschichte“ wurde von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft gefördert. Die Beiträge regen historisch-politisch Bildende zu einer stärkeren Berücksichtigung europäischer Perspektiven an. Dabei ist mit der Herausforderung umzugehen, dass der kritische und multiperspektivische Modus im Umgang mit Vergangenheit durch gegenwärtige politische Konstellationen mehr denn je in Frage steht. Wir danken den Mitarbeiter:innen der Stiftung EVZ für ihre Beiträge zum vorliegenden Themenheft.

Das nächste LaG-Magazin erscheint voraussichtlich am 2. Juli 2025. Es thematisiert die Geschichte der Wehrpflicht in Deutschland seit 1945.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre!

Ihre
LaG-Redaktion


Online-Seminar: „Negativ-Dekadent“. Rechte Subkulturen in Ost-Berlin in den 1980er Jahren

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Straßenorientierte rechte Subkulturen – wie Skinheads und Hooligans – haben das rechte Spektrum in Ostdeutschland lange kulturell geprägt und zahlenmäßig dominiert. In seiner Arbeit verknüpft Stefan Wellgraf ethnografische Feldforschung mit historischer Quellenarbeit und schildert ausgehend von Ost-Berlin die Entstehung und Entwicklung von politisch rechtsorientierten und gewaltaffinen ostdeutschen Subkulturen, ihre Hochphase in der Wendezeit und ihre Transformationen im geeinten Deutschland von den 1970ern bis in die 2000er Jahre.

Der Vortrag fokussiert sich auf die Zeit der Spät-DDR, als Schule und FDJ einerseits, sowie Volkspolizei und Ministerium für Staatsicherheit andererseits mit erheblichem Aufwand versuchten, rechte Gesinnungen unter Jugendlichen zu bekämpfen. Dabei kriminalisierten staatliche Erziehungsträger häufig jugendtypische Formen der Verweigerung und Devianz und trugen somit erst zur Politisierung junger Menschen bei. In der Folge wurden zahlreiche Skinheads und Hooligans inhaftiert, für viele von ihnen begann die Gefängniszeit zunächst in der Untersuchungshaftanstalt in der Keibelstraße. Dieses rigorose Vorgehen hatte wiederum bei vielen Jugendlichen eher eine Abkehr vom Staatssozialismus und eine Hinwendung zu westlichen Subkulturen zur Folge.

Rechte Subkulturen sind nicht verschwunden, sie haben zuletzt im Windschatten des Rechtspopulismus wieder an Bedeutung gewonnen. Beim genauen Blick auf die Situation in der DDR in den 1980er Jahren stellt sich unweigerlich schließlich auch die Frage nach dem Umgang mit heutigen rechten Bewegungen. Welche Parallelen gibt es, was hingegen unterscheidet die damalige Situation von heute? Und was können wir aus der Geschichte lernen?

Zur Person

PD Dr. Stefan Wellgraf ist Ethnologe und Kulturwissenschaftler. Er arbeitet im Rahmen einer Heisenbergförderung am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin.

Zur Anmeldung


Comic-Workshop: „89/90… wenn alles anders wird! Jugendliche zeichnen Umbruchsgeschichte(n)“

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Anlässlich des 35. Jubiläums der Wiedervereinigung bietet der Lernort Keibelstraße gemeinsam mit den Comicautorinnen Susanne Buddenberg und Thomas Henseler den Workshop „89/90… wenn alles anders wird! Jugendliche zeichnen Umbruchsgeschichte(n)“ an. Im zweitägigen Workshop setzen sich Schüler*innen der Jahrgangsstufen 9 – 13 mit den Umbrüchen in den Jahren 1989/90 sowie mit eigenen Erfahrungen von Aufbrüchen, Abbrüchen, Hoffnungen und Enttäuschungen auseinander. Sie führen ein Gespräch mit einer Zeitzeugin oder einem Zeitzeugen durch, die oder der in der Untersuchungshaftanstalt in der Keibelstraße inhaftiert war, und lernen Comic und Sketchnotes als künstlerische Ausdrucksmittel kennen.

Der kostenlose Workshop dauert 2 Tage à 5 Stunden und findet am Lernort Keibelstraße und auf Wunsch in Ihrer Schule statt. Der Workshop wird gefördert von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Kontakt: kontakt@keibelstrasse.de
Tel.: 030 – 28 09 80 11


LaG-Magazin "1848. Orte der Revolution – Orte der Erinnerung"

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Die Revolution von 1848 gilt als wichtiger Markstein der deutschen Demokratiegeschichte. Diese Ausgabe des LaG-Magazins stellt die Frage, wie wir uns heute an den 18. März und an die Revolution von 1848/49 erinnern. Die Autor*innen der Beiträge erzählen, an welchen Orten die Revolution stattfand, wer ihre Akteur*innen waren und dass sie ein Ereignis von europäischer Dimension war.

Link zum LaG-Magazin 2/2025

Die Revolution von 1848 gilt als wichtiger Meilenstein der Demokratiegeschichte in Deutschland. Unter dem Einfluss revolutionärer Unruhen in Frankreich forderte man auch im Deutschen Bund Rede- und Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit, politische Gleichberechtigung und nationalstaatliche Einheit zum Teil auch ohne Monarchien. Der 18. März 1848 gilt als einer der Höhepunkte der Revolution von 1848 in Berlin: Gewaltsame Barrikadenkämpfe in Berlin führten zu zahlreichen Verletzten und Toten. Rund 250 Tote dieser Märzrevolution sind auf dem Friedhof der Märzgefallenen im Friedrichshain begraben. Zugleich ist der 18. März ein zentrales Datum für die Demokratiegeschichte in Deutschland und steht nicht nur für die Barrikadenkämpfe der Märzrevolution 1848 in Berlin, sondern auch für die Gründung der Mainzer Republik 1793 und für die erste freie Wahl zur Volkskammer der DDR 1990. Der Berliner Verein „Aktion 18. März“ setzt sich daher seit 1978 dafür ein, den 18. März zum nationalen Gedenktag zu erklären. Veranstaltungen wie auf dem Friedhof der Märzgefallenen, die Umbenennung des Platzes vor dem Brandenburger Tor in „Platz des 18. März“ oder Gedenktafeln an Orten der Barrikadenkämpfe erinnern heute an den 18. März als historisches Datum der Demokratiegeschichte.

Das LaG-Magazin stellt in dieser Ausgabe die Frage, wie wir uns heute an den 18. März und an die Revolution von 1848/49 erinnern. Wann war „1848“? Kann man es auf das Datum des 18. März 1848 beschränken oder schreibt es sich ein in eine lange Geschichte von revolutionären Unruhen vom Hambacher Fest 1832 über 1848 hinaus? Wo fand die Revolution von 1848 statt? In der Frankfurter Paulskirche, auf den Barrikaden in Berlin, bei den Aufständen in Baden oder auch in Wien und Paris? An wen wird heute erinnert als Akteur der Märzrevolution? An Bürger*innen, Arbeiter*innen, Soldaten, Frauen, an die städtische Bevölkerung? Die Beiträge der Ausgabe widmen sich der Erinnerung an 1848 in Berlin, Baden und Frankfurt/Main, der Einordnung der Märzrevolution im heutigen kulturellen Gedächtnis und stellen verschiedene Initiativen und Bildungsmaterialien zu 1848 vor.

Rüdiger Hachtmann beschreibt die Ereignisse und die Erinnerung an die Revolutionen von 1848 in verschiedenen Ländern Europas.

Manfred Hettling erläutert, wie die heutige Erinnerung an die Revolution von 1848 von aktuellen Entwicklungen beeinflusst ist und das Bild von 1848 prägt.

Kerstin Wolff zeigt in ihrem Beitrag die Rolle von Frauen in der Revolution von 1848 und die Erinnerung an einige ausgewählte Persönlichkeiten auf.

Christoph Hamann zeichnet nach, wie die Initiative „Aktion 18. März“ entstand und welche Ziele und Projekte der Verein für eine wertschätzende Erinnerung an den 18. März 1848 verfolgt.

Jürgen Karwelat nimmt die Leser*innen mit auf einen historischen Spaziergang durch Berlin und berichtet, welche Straßen und Plätze heute an die Revolution von 1848 erinnern.

Susanne Kitschun und Paul Schmitz beschreiben die Geschichte des Friedhofs der Märzgefallenen in Berlin und wie heute vor Ort der Ereignisse und der „Märzgefallenen“ gedacht wird.

Elisabeth Thalhofer stellt die Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte in Rastatt und die Besonderheit des badischen Erinnerungsortes der deutschen Revolution 1848 vor.

Jan Merk widmet sich der Erinnerung an 1848 im Dreiländermuseum Lörrach aus einer lokalen deutschen als auch französischen und schweizerischen Perspektive.

Jan Meiser stellt das Planspiel „In der Paulskirche“ vor, das Schüler*innen spielerisch die Debatten und Entwicklungen in der Frankfurter Paulskirche 1848 nahebringt.

Sabrina Pfefferle beschreibt in ihrer Rezension der aktuellen Publikation Akteure eines Umbruchs verschiedene Persönlichkeiten, die für die Revolution von 1848 von Bedeutung waren.

Stephanie Beetz empfiehlt aktuelle Bildungsmaterialien, die als PDF-Download, App oder Webseite zu historischen Ereignissen von 1848 informieren.

Die Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte förderte das Themenheft, das an die Ereignisse von 1848/49 erinnert. Die Ausgabe lädt dazu ein, sich mit den verschiedenen Räumen und Persönlichkeiten der Revolution von 1848 zu beschäftigen. Sie möchte anregen, über den 18. März als Gedenktag der deutschen Demokratiegeschichte nachzudenken und zu fragen, wie uns die Forderungen nach Wahlrecht, Pressefreiheit oder Selbstbestimmung von 1848 bis heute beeinflussen.

Wir danken an dieser Stelle herzlich Daniel Hadwiger, der diese und die letzte Magazinausgabe zu „Straße als Ort demokratischer Aushandlungsprozesse“ mit hoher Fachkompetenz und ebensolchem Engagement redaktionell betreut hat. Er wendet sich nun verstärkt dem Vermittlungsformat Ausstellung zu, für diesen Weg wünschen wir ihm viel Erfolg. Auf die redaktionelle Leitung des LaG-Magazins freut sich nun Ulrike Rothe, langjährige wissenschaftliche Mitarbeiterin der Agentur für Bildung. Sie bereitet bereits die nächste LaG-Ausgabe anlässlich des 80. Jahrestages des Kriegsendes 1945 vor, die am 8. Mai 2025 erscheinen wird.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre!

Ihre
LaG-Redaktion


LaG-Magazin "Straße als Ort demokratischer Aushandlungsprozesse"

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Wem gehört die Straße? Die aktuelle LaG-Ausgabe widmet sich der „Straße als Ort demokratischer Aushandlungsprozesse“. Werfen Sie einen Blick in die LaG-Ausgabe, die hinterfragt, wie die Straße immer wieder aufs Neue zu einem Trainingsgelände der Demokratie genutzt wird.

Link zum LaG-Magazin 12/2024

Die Straße wurde immer schon als Raum genutzt, um Interessen und Kritik öffentlich auszuhandeln. Demonstrationen, Proteste, Flashmobs oder Gedenkveranstaltungen machen die Straße nicht nur zu einer Bühne, sondern auch zu einem „Trainingsgelände der Demokratie“ (Robert Kaltenbrunner, 2017).

Straßen spiegeln darüber hinaus gesellschaftliche Vorstellungen und Veränderungen, da ihre Namen nicht nur räumliche, sondern auch kulturelle Orientierung anbieten. Sie erinnern an Personen, die in vergangenen Jahrzehnten als Vorbilder galten. Aktuelle Diskussionen über Umbenennungen wie die eines Teils der Manteuffelstraße in Audre-Lorde-Straße in Berlin 2023 zeigen neue gesellschaftliche Vorstellungen. Digitale Medien erleichtern die Organisation und Teilnahme an Protesten, die erst im öffentlichen Raum an Wirkung gewinnen, etwa während der Proteste gegen Stuttgart 21, den Demonstrationen während der Pandemie oder den Aktionen der Klimaaktivist*innen der „Letzten Generation“.

Mit dieser LaG-Ausgabe richten wir den Blick auf die Straße als Ort demokratischer Aushandlungsprozesse. Wir spannen einen historischen Bogen vom 19. Jahrhundert bis heute, von Demonstrationen der Arbeiterbewegung bis zu Bürgerinitiativen und beleuchten dabei auch die zentrale Rolle von Medien.

Nicolai Hannig skizziert im Gespräch die Entwicklung von Straßengewalt, Protest und Medien von 1848 bis in die 1970er Jahre.

Holger Czitrich-Stahl zeigt in seinem Beitrag, wie die Arbeiterbewegung den öffentlichen Raum nach und nach als Ort der politischen Auseinandersetzung eroberte.

Harald Engler berichtet im Interview über die Proteste in der Bundesrepublik und der DDR gegen den Ausbau der autogerechten Stadt ab den 1960er Jahren.

Bernd Martin beschreibt die Diskussion um Straßenumbenennungen in Freiburg und erörtert zentrale Kriterien bei Umbenennungen.

Kathrin Fahlenbrach zeichnet nach, welche Auswirkungen der mediale Wandel auf die Straße als Protestraum entfaltete und wie sich Protest und Medien gegenseitig beeinflussten.

Greta Jasser und Alexander Hensel erläutern ausgehend von öffentlichen Protesten gegen Rechtsextremismus Anfang 2024 Theorie und Praxis einer wehrhaften Demokratie.

Kaspar Nürnberg erläutert das Konzept der Ausstellung „(um)benennen?!“, die ab Frühjahr 2025 die Straßenumbenennungen in Berlin und die damit verbundenen Diskussionen beleuchtet.

Stephanie Beetz veranschaulicht anhand der Geschichte des Berliner Freilichtdenkmals „Orte des Erinnerns“, wie im öffentlichen Raum an die Diskriminierung und Verfolgung von Juden in der NS-Zeit erinnert werden kann.

Sabrina Pfefferle zeigt, wie Filme der Weimarer Republik die Straße als Schauplatz privater und politischer Kämpfe darstellten und inwiefern diese Filme als Spiegel der Weimarer Gesellschaft gelesen werden können.

Wir bedanken uns bei der Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte, die diese Ausgabe zur Straße als Ort demokratischer Aushandlungsprozesse förderte. Die nächste LaG-Ausgabe zum Thema des 18. März und der Revolution von 1848 erscheint im Februar 2025. Sie entsteht ebenfalls in Zusammenarbeit mit der Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte. Ziel der Stiftung ist die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der deutschen Demokratiegeschichte vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart, was sich in Projektförderungen und eigenen Veranstaltungen zu diesem Thema niederschlägt. Wir hoffen, mit diesem Themenheft zu zeigen, wie unterschiedlich und vielfältig Straßen immer wieder als Orte des Protests und politische Bühne genutzt werden, um verschiedene Interessen deutlich zu machen und auszuhandeln.

Die vorliegende Ausgabe wurde von Daniel Hadwiger betreut, der durch mehrere vorhergehenden wissenschaftliche Projekte über Expertise zur Stadtgeschichte verfügt und sie bei der Herausgabe dieses Magazins mit einbrachte. Katharina Trittel, die das Magazin in den letzten beiden Jahren betreut hat, danken wir herzlich für ihre Fachkompetenz und ihr außerordentliches Engagement.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre, frohe Festtage und alles Gute im neuen Jahr!

Ihre
LaG-Redaktion


Ausstellung "Punk in der Kirche. Ost-Berlin 1979-89" in der Ausstellung BERLIN GLOBAL am Humboldt Forum Berlin

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Am kostenfreien Museumssonntag, dem 7. Juli 2024, wurde in der Ausstellung BERLIN GLOBAL die neue Schau „Punk in der Kirche. Ost-Berlin 1979-89“ mit einem Konzert der Punk-Band Planlos eröffnet.

Pressestimmen:

https://www.radiodrei.de/programm/schema/sendungen/radio3_am_nachmittag/archiv/20240705_1600/radio3_aktuell_1710.html

https://www.rbb-online.de/abendschau/videos/20240707_1930/news.html

https://www.morgenpost.de/bezirke/mitte/article406733880/als-punk-in-der-ddr-aufgepasst-du-wirst-ueberwacht.html

https://www.kindaling.de/ausstellungen/punk-in-der-kirche-ost-berlin-1979-89/berlin-mitte

https://taz.de/Subkultur-in-der-DDR/!6020690/

https://www.deutschlandfunkkultur.de/ausstellung-beleuchtet-zusammenarbeit-zwischen-ddr-punks-und-kirche-102.html

 

Der als dauerhafte Ergänzung konzipierte Ausstellungsbereich wurde von der Agentur für Bildung, Geschichte und Politik e.V. für BERLIN GLOBAL kuratiert. Die Agentur hat bereits mehrere Projekte zur Aufarbeitung von Punk in der DDR initiiert. Sie bringt marginalisierte Perspektiven in die vorherrschenden Geschichtsbilder ein und greift Leerstellen auf. Dabei vermittelt sie aktuelle Erkenntnisse der Wissenschaft in die erinnerungskulturelle Praxis.

Projektbeteiligte:
Ulrike Rothe und Birgit Marzinka, Agentur für Bildung, Geschichte und Politik e.V., Kuratorinnen

Dr. Frauke Miera, Stiftung Stadtmuseum Berlin, Projektleitung und kuratorische Begleitung

Anne Hahn, freie Autorin und Zeitzeugin

Jan Haverkamp und Tobias Rischk, Agentur für Bildung, Geschichte und Politik e.V.

Gestaltung: studio it‘s about (Charlotte Kaiser und Andrea Kowalski unter der Mitarbeit von Freia Antonia Weiss)

Punk in Ost-Berlin

Die kleine, urbane Bewegung Punk erregte ab Ende der 1970er Jahre in Ost-Berlin durch ihr Erscheinungsbild Aufsehen. Sie trafen sich am Alexanderplatz, im Kulturpark Plänterwald und auf der Straße. Was im Westen als Provokation galt, war in der DDR ein Angriff auf den Staat und wurde bekämpft. Die Norm, wie Jugendliche sein und leben sollten, war durch die staatliche Jugendorganisation FDJ (Freie Deutsche Jugend) vorgegeben. Die Ost-Berliner Punks suchten alternative Lebensentwürfe und stellten, wie überall auf der Welt, das kleinbürgerliche Leben provokativ in Frage. Wie in vielen subkulturellen Jugendgruppen spielte Musik eine große Rolle. Die Jugendlichen gründeten Bands und spielten in besetzten Häusern, in Kellern und auf Dachböden. Die Songtexte vieler Bands kritisierten Staat und Gesellschaft fundamental, massive staatliche Repression und ein Leben in den Sphären des Ost-Berliner Untergrunds waren die Folge.

Die Schau im Ausstellungsraum „Freiraum“ in BERLIN GLOBAL erzählt die Geschichte dieser jugendlichen Subkultur zwischen Aufbegehren, Verfolgung und Beharren.

 Der Themenbereich führt die Besucher*innen in den Kirchenraum hinein, den die Punks für sich als Freiraum erringen konnten; ihre Bands spielten hier Konzerte. Einige der bekanntesten Punksongs – „Nazis wieder in Ost-Berlin“ von Namenlos oder „Wir wollen immer artig sein“ von Feeling B – werden in der Ausstellung hörbar. Ein dreiminütiger Film erzählt die Geschichte der Ost-Berliner Punkbewegung und zeigt zahlreiche historischen Fotografien. Exponate made in GDR wie Schmuckaccessoires, Musikkassetten oder eine originale Punk-Lederjacke führen Ausstellungsbesucher*innen in die Welt des Ostpunks hinein. Eine Wandkarte zeigt exemplarisch die Verortungen der Szene in der Stadt und ihre Verbindungen nach Ost- und Westeuropa. Ost-Berliner Punks waren ebenso rebellisch wie ihre Gleichgesinnten im Westen, aber ihre Existenz war stets bedroht und ihr Überleben sicherten sie in Nischen.

Datum: Sonntag, 7. Juli 2024 | 14 – 16 Uhr

Veranstaltung:
Eröffnung von „Punk in der Kirche. Ost-Berlin 1979-89“ in der Ausstellung BERLIN GLOBAL
Einführende Grußworte von Paul Spies, Direktor Stiftung Stadtmuseum Berlin,
Kuratorin Ulrike Rothe, Projektleiterin Frauke Miera

Konzert mit der Punk-Band Planlos

Führungen/Gespräche in der Schau mit Anne Hahn, Ulrike Rothe und Jan Haverkamp

Ort: BERLIN GLOBAL, Humboldt Forum, Schlossplatz 1, 10178 Berlin
Eintritt frei: Kostenfreie Zeitfenstertickets max. 7 Tage vor Veranstaltung buchbar im Ticketshop des Museumssonntags Berlin: https://www.museumssonntag.berlin

BERLIN GLOBAL
Auf 4.000 Quadratmetern thematisiert BERLIN GLOBAL in sieben Themenräumen Fragen wie: Was ging und geht von Berlin in die Welt? Was wirkte in die Stadt zurück? Und wie wollen wir sie gestalten? In atmosphärischen Inszenierungen werden die ausgewählten Aspekte Revolution, Freiraum, Grenzen, Vergnügen, Krieg, Mode und Verflechtung nacherlebbar. Auf der Website sowie den Social-Media-Kanälen auf YouTube, Instagram und Facebook erhalten Interessierte weitere Einblicke in die Ausstellung.