LaG-Magazin "Interkulturelles Lernen. Das Beispiel ostdeutsche Migrationsgeschichte"
Startseite
Interkulturelles Lernen meint nicht nur Wissenserwerb über die Geschichte anderer Länder oder über Migrationsprozesse. Zielführend sind macht- und rassismuskritische Reflexionen oder auch die Frage, wessen Perspektiven hörbar werden oder wer am Lernprozess beteiligt ist. Im aktuellen LaG-Magazin teilen Bildungsakteur*innen ihre Erfahrungen in interkulturellen Projekten. Essays beleuchten ausgewählte Aspekte der ostdeutschen Migrationsgeschichte.
Als diese Magazinausgabe konzipiert wurde, stand die LaG-Redaktion vor einem Themenfeld, das sich in den letzten zehn Jahren enorm weiterentwickelt und ausdifferenziert hat. Das gilt sowohl für die akademische Erforschung als auch für die Erinnerungs- und Bildungsarbeit. In Zeitzeug*innenprojekten mit Fokus auf bestimmte Herkunftsländer erzählten ehemalige Vertragsarbeitende ihre Geschichte und Interviewsammlungen entstanden. Ausstellungen veranschaulichten, dass es in der DDR nicht nur die „ausländischen Werktätigen“ gab, sondern auch weitere Gruppen wie Studierende und politische Immigrant*innen. Dokumentationen beleuchteten regionale Kontexte, etwa in Cottbus oder Eberswalde, oder thematisierten bestimmte Aspekte wie die rassistische Gewalt der 1990er Jahre. Wer im Netz danach sucht, findet Texte zu geschlechtsspezifischen Erfahrungen von Arbeitsmigrantinnen oder zur Kontroverse um die Entschädigung der „Madgermanes“ in Mosambik.
Vor diesem Hintergrund war es unser Anliegen, die DDR-Migrationsgeschichte aus zwei Perspektiven zu betrachten. Erstens im Hinblick auf interkulturelles Lernen: Neben einem Beitrag zur universitären Forschung in diesem Feld finden Sie in dieser Ausgabe Berichte von Praktiker*innen, die interkulturelle Bildungsprojekte umsetzen und ihre Erfahrungen teilen. Zweitens präsentieren wir Ihnen historiografische Essays, die bisher wenig beachtete Aspekte beleuchten oder ungewohntere Blickwinkel eröffnen. Dabei handelt es sich lediglich um Schlaglichter, denn viele Migrationsgeschichten aus Ostdeutschland warten noch darauf, erzählt zu werden – etwa die der frühen Arbeitsmigrant*innen aus Polen, von ihnen kamen die ersten bereits ab den 1960er Jahren in die DDR.
Bei unseren Recherchen sind wir immer wieder auf die zweite Generation gestoßen – Kinder der Migrant*innen engagieren sich in der Aufarbeitung der Erfahrungen ihrer Eltern im Sinne geschichtskultureller agency (Lale Yildirim). Sie bringen nicht nur ihre persönliche Perspektive ein, sondern prägen den migrationshistorischen Diskurs durch eigene Forschungsprojekte und mediale Formate. Ziel all dieser Projekte ist es, die Perspektiven ostdeutscher Migrant*innen in dominante Narrative einzubringen − sowohl zur DDR- und Transformationszeit als auch in die gesamtdeutsche Migrationsgeschichte nach 1945.
Die Beiträge im Überblick:
Monika Kubrova vom Dachverband der Migrant*innenorganisationen in Ostdeutschland und der Zeitzeuge Yasser Muhammad berichten über zwei mehrjährige Projekte zur interkulturellen Erinnerung.
Anke John und Patricia Kleßen von der Universität Jena stellen das digitale Evaluationstool „Weltoffen lernen“ vor, mit dem sich die interkulturelle Kompetenz von Schulen messen lässt.
Tom Drechsel forscht zu mosambikanischen Arbeitsmigrant*innen und vertritt die These, dass sich die Migrationspolitik in der späten DDR liberalisierte.
Maresa Nzinga Pinto erforscht die geschlechtsspezifischen Erfahrungen mosambikanischer Vertragsarbeiterinnen. Ihr Fokus liegt auch auf ihrem späteren Kampf um die Frauenrechte in Mosambik.
Maren Möhring vergleicht die Einwanderungsgeschichte der BRD und der DDR – am Beispiel der Arbeitsmigration.
Isabel Enzenbach schreibt über die Erinnerungsarbeit der zweiten Generation; die meisten von ihnen sind in den späten 1980er und in den 1990er Jahren geboren worden.
Die „Generation 1991“ ist Thema einer Folge des Podcasts „Rice and Shine“, den Tobias Rischk für uns angehört und besprochen hat.
Eckhard Pfeffer und Sebastian Popovic geben Einblick in ein internationales Schulprojekt zu den namibischen Kindern, die in den 1980er Jahren in der DDR aufgenommen wurden.
Die Online-Ausstellung „De-Zentralbild“ stellt uns Sabrina Pfefferle vor. Dieses Projekt arbeitet mit Bildmaterial aus den privaten Archiven von Migrant*innen.
Wir weisen darauf hin, dass der im Magazin häufig verwendete Begriff „Vertragsarbeit“ erst in den 1990er Jahren im Rahmen bundesrepublikanischer Regierungspolitik entstand. In öffentlichen Debatten sowie innerhalb der Bleiberechtskämpfe hat er sich bis heute etabliert und wird auch von den Betroffenen verwendet (vgl. Dossier Bundessstiftung Aufarbeitung).
Wir danken der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur sowie allen Autor*innen und Interviewpartner*innen, die diese Ausgabe ermöglicht haben. Das nächste LaG-Magazin erscheint am 1. Juli 2026. Es widmet sich der Erinnerung und Aufarbeitung von Zwangsarbeit im Nationalsozialismus.
In eigener Sache: Wir freuen uns, den Relaunch unseres Portals „Lernen aus der Geschichte“ bekanntzugeben. Seit seiner Gründung im Jahr 2000 ist es zu einem umfangreichen Archiv für Bildungsmaterialien, Fachbeiträge und Projektberichte angewachsen. Auch alle Magazinausgaben seit 2009 sind dort abrufbar. Dieses Archiv bleibt erhalten und steht weiterhin für Recherchen zur Verfügung. Zudem können wie gewohnt Veranstaltungen angekündigt und Informationen geteilt werden. Nutzen Sie das Portal weiterhin und geben Sie uns gern Feedback!
Ihre LaG-Redaktion
Gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Die Ausstellung "Gemeinsam sind wir unerträglich" ist noch bis 22. März 2026 in Freiberg zu sehen!
Startseite
Die Ausstellung kann vom 24.02. bis 22.03 2026 in Freiberg im Kinopolis Freiberg (Chemnitzer Straße 133, 09599 Freiberg) besichtigt werden.
Ausstellungshöhepunkt ist eine Führung durch die Ausstellung am 8. März. Anlässlich des Internationalen Frauentages führte eine der Kuratorinnen der Ausstellung, Rebecca Hernandez Garcia, durch die Ausstellung und präsentierte das Thema vertiefend aus der Sicht der Historikerin.
Im Anschluss an der Führung wurde der Film „Stolz und Eigensinn“ im Rahmen der Tacheles-Reihe gezeigt. Der Dokumentarfilm des Regisseurs Gerd Kroske aus dem Jahr 2025 zeigt Frauen in DDR-Großbetrieben, die ihre Souveränität hart erkämpften und ihren Stolz bis heute bewahren. Er kombiniert Archivmaterial des Leipziger Kanal X aus den frühen 1990er-Jahren mit aktuellen Interviews und Aufnahmen aus dem Jahr 2024
„Es ist wichtig, diesen Teil der DDR Geschichte in das Bewusstsein der heutigen Generation zu rücken“, sind sich die Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Freiberg und des Landkreises Mittelsachsen, Katrin Pilz und Annett Schrenk, sicher. Ihrer Initiative ist es zu danken, dass die Ausstellung im Kinopolis Freiberg gezeigt wird.
https://www.saechsische.de/lokales/mittelsachsen/freiberg-wanderausstellung-zur-ddr-frauenbewegung-bis-22-maerz-G464XU3L5FHNZAHFXFQZMFDLDU.html
Kommende Stationen:
VHS Chemnitz
Nähere Informationen finden Sie jeweils in zeitlicher Nähe zu den einzelnen Stationen hier auf dieser Website.
(Abbildungen: Rebecca Hernandez Garcia führt durch die Ausstellung in Freiberg, 8. März 2026, Bildrechte: Annett Schrenk
BIld unten: Ausstellungsstation in Dresden im Sommer 2025, Bildrechte: Andre Wirsig)
Pressestimmen
Beitrag auf Deutschlandfunk Kultur über unsere Ausstellung: „Gemeinsam sind wir unerträglich“: Die DDR-Frauenbewegung (gesendet 24.01.2024)
Beitrag auf Radio 1 zur Vernissage 11.01.2024 in der Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie
Die Wanderausstellung "Gemeinsam sind wir unerträglich"

Startseite
Die Wanderausstellung "Gemeinsam sind wir unerträglich"

Projektbeginn: "Beendete Migrationen: Abschiebehaft in der Keibelstraße von 1980 bis 1996"
Startseite
Das Projekt „Beendete Migration – Abschiebehaft in der Keibelstraße von 1980 bis 1996“
Das Projekt „Beendete Migrationen – Abschiebehaft in der Keibelstraße von 1980 bis 1996“ widmet sich einem bislang wenig erforschten Kapitel der jüngsten Geschichte: den erzwungenen Enden von Migration in der DDR und den 1990er Jahren im vereinten Deutschland. Im Fokus steht die Geschichte der Abschiebehaft am Lernort Keibelstraße und die Lebensrealitäten der betroffenen Migrant*innen in den 1980er- und 1990er Jahren.
In Kooperation mit dem Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam und Studierenden des Masterstudiengangs Public History an der Freien Universität Berlin werden historische Quellen recherchiert, Interviews geführt und ein innovatives Bildungsangebot für Schulklassen entwickelt. Ziel ist ein modularer Workshop für Jugendliche, der historische Quellenarbeit, Zeitzeug*innenperspektiven und multimediale Materialien miteinander verbindet und aktuelle Debatten um Migration, Bleiberechte und Abschiebungen historisch einordnet.
Das Projekt greift die Geschichte der Untersuchungshaftanstalt in der Keibelstraße auf und beleuchtet sowohl die Abschiebepraktiken in der späten DDR als auch die Nutzung des Gebäudes als Abschiebegefängnis in den frühen 1990er Jahren der Bundesrepublik. Dabei werden Themen wie Vertragsarbeit in der DDR, Bleiberechtskämpfe nach 1990 und gesellschaftliche Rahmenbedingungen der Transformationszeit untersucht.
Ein zentraler Bestandteil ist die kollaborative Arbeit mit Studierenden, die das Lernmodul entwickeln, erproben und evaluieren. Die Ergebnisse werden auf einem Fachtag präsentiert und mit Expert*innen aus Wissenschaft, Bildungspraxis und Zivilgesellschaft diskutiert. Anschließend wird das Workshopformat dauerhaft in das Bildungsportfolio des Lernorts Keibelstraße integriert und durch ein Modulhandbuch für Teamer*innen ergänzt.
Mit dem Projekt möchte der Lernort Keibelstraße neue Perspektiven auf Migrationsgeschichte eröffnen, historische Bildung in einer Migrationsgesellschaft stärken und zur reflektierten Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Debatten beitragen.
Projektkoordination: Christina Schwarz, schwarz[at]agentur-bildung.de
Projektleitung: Dr. Henrike Voigtländer, voigtlaender[at]agentur-bildung.de
Projektbegleitung: Dr. Irmgard Zündorf, zuendorf[at]zzf-potsdam.de
In Kooperation mit

Gefördert durch


LaG-Magazin "Was war die DDR? Historisches Lernen in der Grundschule"
Startseite
Der schulfreie 3. Oktober, Gebäude im Wohnumfeld, Filme, Literatur oder Erinnerungen im Familienkreis – überall begegnen Kinder heute der deutsch-deutschen Zeitgeschichte. Fachdidaktikerinnen und Akteur*innen der historisch-politischen Bildung sind sich einig, dass der schulische Sachunterricht das aufgreifen soll. Die zentrale Frage ist jedoch, wie Lehrkräfte Kindern den Lerngegenstand DDR näherbringen.
Vor Kurzem verkündete der Berliner Senat, die Geschichte der deutschen Teilung und ihrer Überwindung solle kein Pflichtstoff mehr in der gymnasialen Oberstufe sein. Nationalsozialismus und Weimarer Republik müssten im Geschichtsunterricht noch behandelt werden, die Zeit nach 1945 offenbar nicht mehr. Zwar wurde der Beschluss zurückgenommen, doch er irritiert und lässt fragen, warum die deutsch-deutsche Zeitgeschichte in den Curricula auf so wackligen Füßen steht. Mit dieser Magazinausgabe bewegen wir uns über diese Frage weit hinaus − wir diskutieren, wie Grundschulkinder DDR-Geschichte lernen sollten.
Die Expert*innen, die in dieser Ausgabe schreiben, sind sich einig: Das Thema ist auch für Grundschulkinder relevant. Dennoch scheint es nötig, das immer wieder zu begründen. Dabei sollte die Diskussion eigentlich weiter sein. Jedoch hat die geschichtsdidaktische Auseinandersetzung zum Thema DDR in der Grundschule bisher einen marginalen Stellenwert. Die wenigen Forschenden weisen wiederholt auf Lücken hin. Gleichzeitig mangelt es am Transfer ihrer bisherigen empirischen Befunde, Forschungserkenntnisse und methodischen Konzepte in die Bildungspraxis – im Vergleich zu den Fachdidaktiken anderer Altersgruppen.
Hier liegt ein lohnendes Feld für bildungswissenschaftliche Diskussion und Entwicklung: Wie vermittelt man DDR-Geschichte kindgerecht, ohne auf die Methoden der Geschichtswissenschaft – etwa die Quellenkritik – zu verzichten? Warum sind etwa Bildnachweise auch für Materialien der Grundschule wichtig und wie können kindgerechte Bildunterschriften aussehen? Und über welche Themen wird der Gegenstand „DDR“ Kindern erzählt? Konsens besteht darüber, dass die Alltagsgeschichte, etwa die DDR-Schule und die Jungen Pioniere, sich sehr gut eignet. Die Diktatur und ihre Überwindung sind ebenso zentrale Themen in Bildungsprojekten für Kinder. Wenn Zeitzeug*innen ihre Kindheit in der DDR jedoch ungebrochen positiv und nicht als Erfahrung von Diktatur erzählen – wie gehen Teamer*innen damit um im Kontext von Demokratieerziehung und Kontroversitätsgebot? Und wie lernen Kinder mit migrantischen Erfahrungen oder aus migrantischen Familien DDR-Geschichte? Wie knüpfen Lehrkräfte an deren Lebenswelt und -geschichte an?
Nur diese wenigen Fragen zeigen: Das Thema ist facettenreich und spannend! Lesen Sie in den nachfolgenden Essays, wie die Fachdidaktiker*innen das Thema reflektieren. Im Serviceteil stellen wir einige Konzepte und Projekte vor, um zu zeigen, was es bereits gibt.
Julia Peuke hat untersucht, was Grundschulkinder über die DDR wissen und damit bereits in den Unterricht mitbringen. Sie stellt uns die Ergebnisse ihrer Studie vor.
Christian Fischer zeigt, dass für Grundschulkinder lebensweltliche Bezüge zur DDR-Geschichte auf der Hand liegen – und schlägt für den Sachunterricht interessante didaktische Zugänge vor.
Detlef Pech diskutiert den Einsatz von Zeitzeug*innengesprächen im Grundschulunterricht und weist auf die fehlenden empirischen Untersuchungen dazu hin.
Sandra Tänzer beschreibt, wie autobiografische Erfahrungen von Lehrkräften deren Unterricht prägen. Sie fordert, dass sich Lehrende für unterschiedliche Sichtweisen auf die DDR sensibilisieren.
Tobias Rischk hat für uns die Emmy-prämierte Doku-Serie „Auf Fritzis Spuren“ angeschaut und geprüft, ob sie sich für den Einsatz im Unterricht eignet.
Juliane Gröber rezensiert das neue Unterrichtsmaterial „Zeitreise DDR“ – eine Podcastreihe für die Schule und Zuhause.
Birgit Wenzel stellt eine Handreichung zu außerschulischen Lernorten in Berlin vor – ein Überblick über Angebote zur DDR- und NS-Geschichte für Grundschulen.
Einen Einblick in das Format der Kinder-Unis geben uns Lucie Kiehlmann und Lucia Demuth. Auf der Grundlage ihrer Erfahrungen diskutieren sie Chancen und Herausforderungen solcher Angebote.
Anja Bellmann erläutert die Bildungsangebote der Gedenkstätte Berliner Mauer. Schulklassen können sich dort bei der Erprobung neuer Formate einbringen.
Henrike Voigtländer beschreibt, wie sich die Bildungsarbeit für die Zielgruppe Grundschulkinder am Lernort Keibelstraße weiterentwickelt hat. Seit Gründung des Lernorts 2019 sind einige Angebote dazugekommen.
Das Thema dieser Magazinausgabe ist von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur angeregt worden, um es im Fachdiskurs und in der praktischen Bildungsarbeit voranzubringen. Dafür und für die Förderung danken wir. Unser Dank gilt ebenso allen Autor*innen dieser Ausgabe, besonders Julia Peuke, die diese Magazinausgabe fachlich kompetent beraten hat.
Die kommende Magazinausgabe erscheint am 29. April 2026. Sie thematisiert Fragen der interkulturellen Bildung am Beispiel der DDR-Migrationsgeschichte.
Ihre LaG-Redaktion
LaG-Magazin "Geschichte wird gemacht. Umkämpfte Orte im Spannungsfeld von Geschichtspolitik und Demokratiebildung"
Startseite
Gefördert von
Die Magazinausgabe zum Jahresende stellt Ihnen unterschiedliche Orte deutender Vergangenheit vor, die eines gemeinsam haben – sie sind oder waren umkämpft. Ob beim Wiederaufbau preußischer Stadtschlösser, in der Erinnerung an die Opfer von NS-Verbrechen und an rechtsextreme Gewalt oder im Umgang mit dem Erbe der DDR: Immer geht es darum, welche Geschichte diese Orte erzählen und wer darüber entscheidet. Ebenso wichtig ist die Frage, wie diese Entscheidungen getroffen werden: Wie demokratisch verlaufen die Aushandlungen oder Umdeutungen?
Bauliche Gestaltungen, Straßennamen und Denkmäler im öffentlichen Raum spiegeln einen gesellschaftlichen Common Sense wider – etwa den, dass sich die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht wiederholen dürfen. Sie geben Orientierung und präsentieren die mentale und ethische Verfasstheit einer Gesellschaft. Wenn sich etwa eine erinnerungskulturelle Setzung allein dadurch rechtfertigt, dass wiederhergestellt wird, was früher einmal war − überzeugt diese Argumentation?
Die Reflexionen der Autor*innen dieser Ausgabe machen Entscheidungsprozesse sichtbar und regen zum Nachdenken an: Wie gelingt es, die unterschiedlichen historischen Schichten von Orten nicht zu überdecken, historische Brüche nicht auszublenden, sondern in den demokratisch gedeuteten Ort zu integrieren? Welche Leistungen müssen vollbracht werden, damit solche Orte zu Lernorten im Sinne von Demokratiebildung werden? Und welche Rolle spielt die Expertise von Historiker*innen, erinnerungskulturellen Fachleuten und historisch-politisch Bildenden, wenn Bundeswehroffiziere, Unternehmer oder neurechte Spender*innen die Initiative ergreifen?
In den folgenden Essays und Interviews werden verschiedene Arenen erinnerungskultureller Kämpfe beispielhaft vorgestellt:
Philipp Oswalt beantwortet unsere Fragen zum Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses, er rekonstruiert den Prozess und erläutert seine Kritik daran.
Judith Prokasky gewährt uns Einblick in ihre Arbeit als Kuratorin des Programms „Der Palast lebt“ im Humboldt Forum.
Achim Saupe beleuchtet den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche und zeigt, dass sowohl die Initiative als auch die städtebaulichen Diskussionen darüber bereits in den 1980er Jahren begannen.
Sabrina Pfefferle vergleicht die Bildungsangebote der Stiftung Garnisonkirche und des Lernorts Garnisonkirche in Potsdam.
Bernhard Gelderblom hat über viele Jahre und gegen Widerstände den Dokumentations- und Lernort Bückeberg aufgebaut. Dort fand ab 1933 jährlich das Erntedankfest stattfand – ein lange vergessenes NS-Massenereignis.
Johann Henningsen spricht im Interview über den Pogrom in Rostock-Lichtenhagen 1992 und wie das Gedenken daran im Rostocker Stadtraum ausgehandelt wurde.
Über die Erinnerung auf dem Tempelhofer Feld, dem ehemaligen Berliner Flughafen, schreibt Tobias Rischk. Dazu hat er mehrere Akteur*innen vor Ort befragt.
Michael Siems schildert die Bildungsarbeit der Gedenkstätte Lindenstraße Potsdam. Er skizziert die historische Vielschichtigkeit dieses Ortes und diskutiert, wie dieser Herausforderung begegnet werden kann.
Diese Ausgabe wurde von der Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte gefördert – dafür danken wir herzlich. Unser Dank gilt ebenso allen Autor*innen dieser Ausgabe. Die nächste Ausgabe des LaG-Magazins erscheint am 25. Februar 2025 und widmet sich dem historischen Lernen von Grundschulkindern über die DDR.
Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre und einen angenehmen Jahresausklang!
Ihre LaG-Redaktion
LaG-Magazin "Die Wehrpflicht und ihre Verweigerung. Historische Bezüge zu einer aktuellen Debatte"
Startseite
Die allgemeine Wehrpflicht wird angesichts des russischen Angriffskriegs in der Ukraine schon länger politisch und medial diskutiert, ihre Wiederinkraftsetzung scheint vor der Tür zu stehen. Das LaG-Magazin greift die Debatte auf und bietet Einblicke in die Geschichte der Wehrpflicht in Deutschland – ein Plädoyer dieses Thema verstärkt in die Bildungsarbeit mit Jugendlichen aufzunehmen.
Sie sehen vor sich eine Magazinausgabe, die wie gewohnt ein historisches Thema aufgreift und es für die Bildungsarbeit aufbereitet. Dieses Mal haben wir es jedoch mit einem Thema von besonders aktueller Relevanz zu tun: Seit dem vollumfänglichen Ausbruch des Krieges in der Ukraine wird die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht politisch und medial kontrovers diskutiert. Mit dem diesjährigen Antritt der Regierung Merz, der wiederholt beschworenen „Kriegstüchtigkeit“ Deutschlands sowie der massiven Aufrüstung innerhalb der EU und der NATO stehen besonders junge Menschen hierzulande vor der konkreten Aussicht, Wehrdienst leisten und perspektivisch sogar aktiv als Soldat*in an einem zukünftigen Krieg teilnehmen zu müssen. Ein solches Szenario bedeutet für die jüngeren Generationen in Deutschland nicht nur einen temporären Eingriff in Biografien, sondern stellt auch potentiell eine schwerwiegende Einschränkung verfassungsmäßig garantierter Grundrechte dar − etwa des Rechts auf Selbstbestimmung, auf körperliche Unversehrtheit und letztlich auf das eigene Leben.
Angesichts – und trotz – der politisch vehement betonten Alternativlosigkeit eines Krieges in Europa sollte öffentlich breit diskutiert werden, wer den Preis für unsere Freiheit zahlen soll und ob ihn wieder die jüngeren Generationen entrichten müssen, deren Zukunft bereits durch die Erderwärmung mit allen vorhersehbaren und noch unbekannten Folgen ohnehin bereits massiv beeinträchtigt sein wird. Auf die Frage der Wehrgerechtigkeit folgt somit auch die Frage nach der Generationengerechtigkeit.
Das vorliegende Magazin lädt insbesondere schulische Lehrkräfte und Referent*innen der außerschulischen Bildungsarbeit dazu ein, junge Menschen über das Thema Wehrpflicht zu informieren, ihnen zentrale Fragen zu stellen und das Thema mit seinem Für und Wider gemeinsam fundiert zu erörtern. Der Blick in die historischen Zusammenhänge – etwa die Situation des Kalten Krieges in den 1970er und 1980er Jahren – hilft, gegenwärtige politische und gesellschaftliche Konstellationen einzuordnen und kritisch zu bewerten. Schüler*innen sollen befähigt werden, Angeboten der Bundeswehr informiert zu begegnen, Diskussionen auf Augenhöhe zu führen und reflektierte sowie souveräne Entscheidungen zu treffen.
Eine breitere gesellschaftliche Diskussion wird bestenfalls durch aufgeklärte Mitglieder dieser Gesellschaft geführt. Das LaG-Magazin betrachtet das Thema Wehrpflicht aus dezidiert zivilgesellschaftlicher Perspektive. Militärimmanente Argumentationsstränge stehen weniger im Mittelpunkt der Beiträge. Der Grundgedanke des „Staatsbürgers in Uniform“ und das Konzept der „Inneren Führung“, denen sich die Bundeswehr in kritischer Distanz zu den Verbrechen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg verschrieben hat, können und sollten jedoch gerade in zivilen Sphären diskutiert werden. Diese Konzepte wurden in den Nachkriegsjahrzehnten entwickelt und werden von verschiedenen Autor*innen in ihren Beiträgen aufgegriffen. Ein Grundsatz der sogenannten Inneren Führung ist, laut Website der Bundeswehr, das „Selbstverständnis der Bundeswehr als Parlamentsarmee“. Das heißt, der demokratisch gewählte Bundestag entscheidet über ihre Einsätze; politische Willensbildungen stehen über militärischen. Ein weiterer Grundsatz ist die Forderung nach dem „selbst denkenden Soldaten“, der nicht blind gehorchen, sondern verbrecherische Befehle verweigern soll. Wäre solch ein Grundsatz nicht eine Diskussion im Schulunterricht wert?
Das LaG-Magazin beleuchtet zunächst die historischen Ursprünge der allgemeinen Wehrpflicht. Im thematischen Schwerpunkt geht es um die Entwicklung der Wehrpflicht und ihrer Verweigerung im geteilten Deutschland nach 1945. Ein weiterer Fokus liegt auf geschlechterspezifischen Perspektiven.
Einführend beantwortet Ute Frevert unsere Fragen zur Entstehung der allgemeinen Wehrpflicht im 19. Jahrhundert: Der Staatsbürger in Uniform löste den bezahlten Söldner des frühneuzeitlichen Heeres ab.
Der Militärhistoriker Rüdiger Wenzke gibt einen Überblick über die Geschichte der Wehrpflicht in der DDR und geht dabei auch auf die begrenzten Möglichkeiten für Verweigerer ein.
Martin Singe zeichnet nach, wie das Recht auf Kriegsdienstverweigerung im Jahr 1949 als Menschenrecht Eingang in das bundesrepublikanische Grundgesetz fand – in der praktischen Behandlung von Verweigerern und auch durch spätere Gesetzgebungen erfuhr es dann jedoch eine Entkräftung.
Diesen Aspekt vertieft Guido Grünewald in seinem Beitrag. Er beschreibt, wie in der Bundesrepublik immer mehr Menschen den Wehrdienst verweigerten und welche sozialpolitische Bedeutung der Zivildienst gewann.
Sylka Scholz führt aus, wie militarisierte Männlichkeit seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert in Deutschland hegemonial wurde. Während dieses Ideal nach 1945 noch gesellschaftlich diskreditiert war, erlebt es durch rechte und extrem rechte Kreise derzeit eine Renaissance.
Maja Apelt beleuchtet die Integration von Frauen in die Bundeswehr: Traditionell waren Frauen im medizinischen Bereich und im Musikkorps tätig, nicht jedoch im Dienst an der Waffe.
Am Lernort Keibelstraße in Berlin wurden Interviews mit ehemaligen Totalverweigerern in der DDR geführt, die für ihre Verweigerung in Untersuchungshaft kamen. Henrike Voigtländer und Jan Haverkamp berichten über die Bildungsarbeit mit Schulklassen zu diesem Thema.
Tobias Rischk diskutiert vier ausgewählte Unterrichtsmaterialien zum Thema Wehrpflicht. Er nimmt die Perspektive der Jugendlichen ein und stellt zum Schluss zentrale Fragen. Fachlich unterstützt wurde er hierbei von Karl-Heinz Lipp.
Sabrina Pfefferle rezensiert die Graphic Novel Gegen mein Gewissen von Hannah Brinkmann. Darin verarbeitet die Autorin die Wehrdienstverweigerung ihres Onkels in der alten Bundesrepublik – und die tragischen Folgen, die die Ablehnung seines Antrags für ihn hatte.
Wir danken allen Autor*innen sehr herzlich für ihre Beiträge zu dieser Magazinausgabe sowie für fachlichen Austausch, Rat und Geduld im redaktionellen Prozess. Da das Thema von aktueller Brisanz ist, haben einige Autor*innen persönliche Stellungnahmen und Positionierungen in ihre Texte eingefügt und verlassen dort bewusst den Pfad der Historiografie − darauf möchten wir ausdrücklich hinweisen. Unser Dank gilt außerdem der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, die diese Ausgabe des LaG-Magazins fördert.
Die nächste Ausgabe des LaG-Magazins erscheint am 24. September 2025. Darin werfen wir einen kritischen Blick auf den Tag der Deutschen Einheit und bringen ergänzend neue Perspektiven auf Feiertags- und Gedenkkulturen ein.
Wir wünschen Ihnen eine erhellende Lektüre!
Ihre
LaG-Redaktion
LaG-Magazin "Zum 8. Mai. Erinnern an das lange Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa"
Startseite
80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs greift das LaG-Magazin aktuelle Herausforderungen an die Praxis der Erinnerung auf. In ihren Beiträgen erzählen die Autor*innen Geschichten vom langen Kriegsende in verschiedenen europäischen Ländern und wie diese heute erinnert werden. Der bisher geltende Konsens vom 8. Mai 1945 als dem Tag der Befreiung steht jedoch, auch durch den erstarkenden rechten Geschichtsrevisionismus, mehr denn je in Frage.
Am 8. Mai 2025 schauen wir mit einem Abstand von 80 Jahren zurück auf das Ende des Zweiten Weltkrieges, das zugleich das Ende des nationalsozialistischen Deutschlands war. Mehrere Autor:innen unseres Magazins berufen sich in ihren Texten auf die Rede Richard von Weizsäckers, der 1985 den 8. Mai als „Tag der Befreiung“ deklarierte – eine staatspolitische Erklärung, die zu einem gesellschaftlich breit getragenen Konsens wurde. Die MEMO-Studie der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ), die den Stand der Erinnerungskultur in Deutschland empirisch dokumentiert, hat herausgefunden, dass viele junge Menschen heute noch an der NS-Zeit interessiert sind. Allerdings zeigten sich bei den repräsentativen Befragungen der Studie auch erhebliche Wissenslücken: Die Länder Ukraine, Belarus und Litauen etwa, deren Gebiete Hauptschauplatz des Vernichtungskriegs in Osteuropa waren, werden nur von sehr wenigen Befragten überhaupt mit dem Zweiten Weltkrieg in Verbindung gebracht. Daraus ergeben sich die Fragen, wie wir den Zweiten Weltkrieg als europäisches Ereignis betrachten können und was wir über die Vergangenheitsdeutungen in anderen europäischen Ländern wissen, kurz: Wie kann eine europäische Erinnerungskultur aussehen?
Wissenschaftler:innen nehmen aktuell das „lange Kriegsende“ in Europa in den Blick, das für Millionen Menschen in verschiedenen Ländern auch nach dem 8. Mai 1945 noch jahrelang von Gewalt, Migration und existenzbedrohenden Notlagen geprägt war. Der Historiker Martin H. Geyer nennt diese Zeit eine „Abfolge permanenter Ausnahmezustände“. Den mikrohistorischen Blick auf die Kriegs- und Nachkriegserfahrungen von Menschen werden Sie in einigen Essays dieser Magazinausgabe wiederfinden. Die Erinnerungspraxis steht heute jedoch vor Herausforderungen ungeahnten Ausmaßes: Durch aktuelle Kriege in und am Rand von Europa sowie durch den Vormarsch rechter und extrem rechter politischer Kräfte wird es zunehmend schwieriger, den erinnerungskulturellen Konsens aufrechtzuerhalten. Die Wahlerfolge der AfD bei der letzten Bundestagswahl ziehen weitere Fragen nach sich: Welche Rolle spielen eigentlich die geschichtsrevisionistischen Deutungen dieser Partei für die Wähler:innen? Bedeuten die hohen Zustimmungswerte am Ende eine Aufkündigung der kritischen Aufarbeitung und Verurteilung deutscher NS-Verbrechenskomplexe? Äußert sich hier das Bedürfnis, lieber auf die eigenen Leiden zu schauen als auf die der anderen? Oder haben erinnerungskulturelle Fragen keine stimmentscheidende Priorität und wählen Bürger:innen die AfD trotz ihrer Verharmlosung von NS-Verbrechen?
Die Beiträge dieser Magazinausgabe nehmen die oben angerissenen Fragen und Themenfelder auf. Mit lokal- und regionalhistorischen Perspektiven greifen sie zugleich die Forderung nach einer europäisch orientierten Erinnerung auf. Zur Einführung werfen wir einen Blick in die Arbeit und die aktuellen Forschungsergebnisse des Multidimensionalen Erinnerungsmonitors MEMO Deutschland. Am Heftende stellen wir Bildungsprojekte anlässlich des 8. Mai 2025 vor, die den europäischen Gedanken einlösen und mit ansprechenden digitalen Formaten arbeiten.
Maria Wilke ordnet dem 8. Mai eine besondere Bedeutung in der gegenwärtigen Erinnerungskultur zu. Der in den vergangenen Jahrzehnten erarbeitete europäische Erinnerungskonsens vom 8. Mai als dem Tag der Befreiung wird durch erstarkende geschichtsrevisionistische Deutungen als auch durch die russische Propaganda im Rahmen des Angriffskriegs gegen die Ukraine in Frage gestellt.
Jonas Rees und Leonore Martin haben unsere Fragen zu den Ergebnissen der aktuellen MEMO-Studien beantwortet. Sie berichten besonders über die MEMO-Jugendstudie von 2023, gewähren uns Einblick in die Arbeitsprozesse der Studien und weisen auf ihre gesellschaftliche Relevanz hin.
Jost Dülffer gibt uns einen Überblick über die Praxis der Erinnerung in west- und osteuropäischen Ländern. Die Tradition, an die „für das Vaterland gefallenen“ Soldaten zu erinnern, stellte in den Nachkriegsjahrzehnten europaweit keinen angemessenen Rahmen mehr dar, um der Opfer des Zweiten Weltkriegs, eines genozidalen Vernichtungskriegs, zu gedenken.
Karolina Ćwiek-Rogalska hat Interviews mit ehemaligen polnischen Zwangsumsiedler:innen und deren Angehörigen in der polnischen Kleinstadt Wałcz/Woiwodschaft Westpommern geführt. Sie gewährt uns einen Einblick in die Erfahrungen dieser Menschen, die im Frühjahr 1945 in den neuen polnischen Westgebieten ankamen.
Juliane Wetzel gibt einen Überblick über die jüdischen DP-Lager in den von den Westalliierten besetzten Zonen. Sie weist auf das lange Kriegsende hin – viele jüdische Überlebende mussten noch Jahre im „Wartesaal Deutschland“ ausharren, bis es ihnen gelang auszuwandern.
Emmanuel Droit blickt aus einer französischen Perspektive auf das Kriegsende in der deutschen Kleinstadt Demmin und den damaligen Massensuizid von Einwohner:innen im Angesicht der einmarschierenden Roten Armee. Die Erinnerung dort wird heute zunehmend von der AfD und der extremen Rechten geprägt: Den 8. Mai feiern nicht mehr alle in Demmin als Tag der Befreiung.
Sophie Ziegler stellt zwei von der Stiftung EVZ geförderte Projekte vor. Sie berichtet, wie junge Menschen heute die Geschichte des Kriegsendes aufarbeiten und erzählt hierbei von zwei Orten: der multikulturellen Region Fruška Gora in Serbien und dem Plac Grunwaldzki in der polnischen Stadt Wrocław.
Tobias Rischk weist auf eine Ausstellung, einen Podcast, ein Projekt mit virtuellen Zeitzeug:innen und ein Tanzprojekt hin, die sich auf den 8. Mai 1945 beziehen. Eine Konferenz zum langen Kriegsende in Europa nimmt die nationalen Erinnerungen im Kontext des Kalten Krieges in den Blick und schaut besonders nach Osteuropa.
Diese Ausgabe des Magazins „Lernen aus der Geschichte“ wurde von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft gefördert. Die Beiträge regen historisch-politisch Bildende zu einer stärkeren Berücksichtigung europäischer Perspektiven an. Dabei ist mit der Herausforderung umzugehen, dass der kritische und multiperspektivische Modus im Umgang mit Vergangenheit durch gegenwärtige politische Konstellationen mehr denn je in Frage steht. Wir danken den Mitarbeiter:innen der Stiftung EVZ für ihre Beiträge zum vorliegenden Themenheft.
Das nächste LaG-Magazin erscheint voraussichtlich am 2. Juli 2025. Es thematisiert die Geschichte der Wehrpflicht in Deutschland seit 1945.
Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre!
Ihre
LaG-Redaktion
Online-Seminar: „Negativ-Dekadent“. Rechte Subkulturen in Ost-Berlin in den 1980er Jahren
Startseite
Straßenorientierte rechte Subkulturen – wie Skinheads und Hooligans – haben das rechte Spektrum in Ostdeutschland lange kulturell geprägt und zahlenmäßig dominiert. In seiner Arbeit verknüpft Stefan Wellgraf ethnografische Feldforschung mit historischer Quellenarbeit und schildert ausgehend von Ost-Berlin die Entstehung und Entwicklung von politisch rechtsorientierten und gewaltaffinen ostdeutschen Subkulturen, ihre Hochphase in der Wendezeit und ihre Transformationen im geeinten Deutschland von den 1970ern bis in die 2000er Jahre.
Der Vortrag fokussiert sich auf die Zeit der Spät-DDR, als Schule und FDJ einerseits, sowie Volkspolizei und Ministerium für Staatsicherheit andererseits mit erheblichem Aufwand versuchten, rechte Gesinnungen unter Jugendlichen zu bekämpfen. Dabei kriminalisierten staatliche Erziehungsträger häufig jugendtypische Formen der Verweigerung und Devianz und trugen somit erst zur Politisierung junger Menschen bei. In der Folge wurden zahlreiche Skinheads und Hooligans inhaftiert, für viele von ihnen begann die Gefängniszeit zunächst in der Untersuchungshaftanstalt in der Keibelstraße. Dieses rigorose Vorgehen hatte wiederum bei vielen Jugendlichen eher eine Abkehr vom Staatssozialismus und eine Hinwendung zu westlichen Subkulturen zur Folge.
Rechte Subkulturen sind nicht verschwunden, sie haben zuletzt im Windschatten des Rechtspopulismus wieder an Bedeutung gewonnen. Beim genauen Blick auf die Situation in der DDR in den 1980er Jahren stellt sich unweigerlich schließlich auch die Frage nach dem Umgang mit heutigen rechten Bewegungen. Welche Parallelen gibt es, was hingegen unterscheidet die damalige Situation von heute? Und was können wir aus der Geschichte lernen?
Zur Person
PD Dr. Stefan Wellgraf ist Ethnologe und Kulturwissenschaftler. Er arbeitet im Rahmen einer Heisenbergförderung am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin.

Comic-Workshop: „89/90… wenn alles anders wird! Jugendliche zeichnen Umbruchsgeschichte(n)“
Startseite
Anlässlich des 35. Jubiläums der Wiedervereinigung bietet der Lernort Keibelstraße gemeinsam mit den Comicautorinnen Susanne Buddenberg und Thomas Henseler den Workshop „89/90… wenn alles anders wird! Jugendliche zeichnen Umbruchsgeschichte(n)“ an. Im zweitägigen Workshop setzen sich Schüler*innen der Jahrgangsstufen 9 – 13 mit den Umbrüchen in den Jahren 1989/90 sowie mit eigenen Erfahrungen von Aufbrüchen, Abbrüchen, Hoffnungen und Enttäuschungen auseinander. Sie führen ein Gespräch mit einer Zeitzeugin oder einem Zeitzeugen durch, die oder der in der Untersuchungshaftanstalt in der Keibelstraße inhaftiert war, und lernen Comic und Sketchnotes als künstlerische Ausdrucksmittel kennen.
Der kostenlose Workshop dauert 2 Tage à 5 Stunden und findet am Lernort Keibelstraße und auf Wunsch in Ihrer Schule statt. Der Workshop wird gefördert von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.
Kontakt: kontakt@keibelstrasse.de
Tel.: 030 – 28 09 80 11

LaG-Magazin "1848. Orte der Revolution – Orte der Erinnerung"
Startseite
Die Revolution von 1848 gilt als wichtiger Markstein der deutschen Demokratiegeschichte. Diese Ausgabe des LaG-Magazins stellt die Frage, wie wir uns heute an den 18. März und an die Revolution von 1848/49 erinnern. Die Autor*innen der Beiträge erzählen, an welchen Orten die Revolution stattfand, wer ihre Akteur*innen waren und dass sie ein Ereignis von europäischer Dimension war.
Die Revolution von 1848 gilt als wichtiger Meilenstein der Demokratiegeschichte in Deutschland. Unter dem Einfluss revolutionärer Unruhen in Frankreich forderte man auch im Deutschen Bund Rede- und Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit, politische Gleichberechtigung und nationalstaatliche Einheit zum Teil auch ohne Monarchien. Der 18. März 1848 gilt als einer der Höhepunkte der Revolution von 1848 in Berlin: Gewaltsame Barrikadenkämpfe in Berlin führten zu zahlreichen Verletzten und Toten. Rund 250 Tote dieser Märzrevolution sind auf dem Friedhof der Märzgefallenen im Friedrichshain begraben. Zugleich ist der 18. März ein zentrales Datum für die Demokratiegeschichte in Deutschland und steht nicht nur für die Barrikadenkämpfe der Märzrevolution 1848 in Berlin, sondern auch für die Gründung der Mainzer Republik 1793 und für die erste freie Wahl zur Volkskammer der DDR 1990. Der Berliner Verein „Aktion 18. März“ setzt sich daher seit 1978 dafür ein, den 18. März zum nationalen Gedenktag zu erklären. Veranstaltungen wie auf dem Friedhof der Märzgefallenen, die Umbenennung des Platzes vor dem Brandenburger Tor in „Platz des 18. März“ oder Gedenktafeln an Orten der Barrikadenkämpfe erinnern heute an den 18. März als historisches Datum der Demokratiegeschichte.
Das LaG-Magazin stellt in dieser Ausgabe die Frage, wie wir uns heute an den 18. März und an die Revolution von 1848/49 erinnern. Wann war „1848“? Kann man es auf das Datum des 18. März 1848 beschränken oder schreibt es sich ein in eine lange Geschichte von revolutionären Unruhen vom Hambacher Fest 1832 über 1848 hinaus? Wo fand die Revolution von 1848 statt? In der Frankfurter Paulskirche, auf den Barrikaden in Berlin, bei den Aufständen in Baden oder auch in Wien und Paris? An wen wird heute erinnert als Akteur der Märzrevolution? An Bürger*innen, Arbeiter*innen, Soldaten, Frauen, an die städtische Bevölkerung? Die Beiträge der Ausgabe widmen sich der Erinnerung an 1848 in Berlin, Baden und Frankfurt/Main, der Einordnung der Märzrevolution im heutigen kulturellen Gedächtnis und stellen verschiedene Initiativen und Bildungsmaterialien zu 1848 vor.
Rüdiger Hachtmann beschreibt die Ereignisse und die Erinnerung an die Revolutionen von 1848 in verschiedenen Ländern Europas.
Manfred Hettling erläutert, wie die heutige Erinnerung an die Revolution von 1848 von aktuellen Entwicklungen beeinflusst ist und das Bild von 1848 prägt.
Kerstin Wolff zeigt in ihrem Beitrag die Rolle von Frauen in der Revolution von 1848 und die Erinnerung an einige ausgewählte Persönlichkeiten auf.
Christoph Hamann zeichnet nach, wie die Initiative „Aktion 18. März“ entstand und welche Ziele und Projekte der Verein für eine wertschätzende Erinnerung an den 18. März 1848 verfolgt.
Jürgen Karwelat nimmt die Leser*innen mit auf einen historischen Spaziergang durch Berlin und berichtet, welche Straßen und Plätze heute an die Revolution von 1848 erinnern.
Susanne Kitschun und Paul Schmitz beschreiben die Geschichte des Friedhofs der Märzgefallenen in Berlin und wie heute vor Ort der Ereignisse und der „Märzgefallenen“ gedacht wird.
Elisabeth Thalhofer stellt die Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte in Rastatt und die Besonderheit des badischen Erinnerungsortes der deutschen Revolution 1848 vor.
Jan Merk widmet sich der Erinnerung an 1848 im Dreiländermuseum Lörrach aus einer lokalen deutschen als auch französischen und schweizerischen Perspektive.
Jan Meiser stellt das Planspiel „In der Paulskirche“ vor, das Schüler*innen spielerisch die Debatten und Entwicklungen in der Frankfurter Paulskirche 1848 nahebringt.
Sabrina Pfefferle beschreibt in ihrer Rezension der aktuellen Publikation Akteure eines Umbruchs verschiedene Persönlichkeiten, die für die Revolution von 1848 von Bedeutung waren.
Stephanie Beetz empfiehlt aktuelle Bildungsmaterialien, die als PDF-Download, App oder Webseite zu historischen Ereignissen von 1848 informieren.
Die Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte förderte das Themenheft, das an die Ereignisse von 1848/49 erinnert. Die Ausgabe lädt dazu ein, sich mit den verschiedenen Räumen und Persönlichkeiten der Revolution von 1848 zu beschäftigen. Sie möchte anregen, über den 18. März als Gedenktag der deutschen Demokratiegeschichte nachzudenken und zu fragen, wie uns die Forderungen nach Wahlrecht, Pressefreiheit oder Selbstbestimmung von 1848 bis heute beeinflussen.
Wir danken an dieser Stelle herzlich Daniel Hadwiger, der diese und die letzte Magazinausgabe zu „Straße als Ort demokratischer Aushandlungsprozesse“ mit hoher Fachkompetenz und ebensolchem Engagement redaktionell betreut hat. Er wendet sich nun verstärkt dem Vermittlungsformat Ausstellung zu, für diesen Weg wünschen wir ihm viel Erfolg. Auf die redaktionelle Leitung des LaG-Magazins freut sich nun Ulrike Rothe, langjährige wissenschaftliche Mitarbeiterin der Agentur für Bildung. Sie bereitet bereits die nächste LaG-Ausgabe anlässlich des 80. Jahrestages des Kriegsendes 1945 vor, die am 8. Mai 2025 erscheinen wird.
Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre!
Ihre
LaG-Redaktion











